2009
index

zurück / return

Ole Aselmann
“vom Wesen der Erbse I”, 2009

 

 

 

< Anfang / top

‚Vom Wesen der Erbse I’

 

‚Vom Wesen der Erbse I’ ist ein eingefrorener Moment, eine Art ‚statische Aktion’, wie sie besonders Joseph Beuys kultiviert hat. Auch bei Aselmann gibt es wiederkehrende Momente, wie die Päpste, die Muttersau – dieses archaische Symbol der Schöpfung, im Zeichen der Venus als kosmische Kraft, der Fruchtbarkeit, der Gestalt des Weiblichen von Urzeiten an bis heute. Die Venusfiguren, die Form der Venus von Willendorf annehmend, haben die organische Gestalt, das Weiche des Körpers, die Schutzbedürftigkeit. Anders als der so provokant im Selbstversuch operierende Schlingensief schlägt Aselmann mit seiner bisweilen kindlich anmutenden Formgebung eher lyrische Töne an, um einem verborgenen Wirkungszusammenhang nachzuspüren. Die Vernunft so aufklärerisch wie mystisch auch körperlich im Rahmen einer erlebten und erlebbaren Selbsterfahrung heranzuziehen.

Die anthropologische Figur „Wanderer und Idylle“ (Gerhard Kaiser) drängt sich auf, der zufolge das vagierende (männliche) Subjekt den Ort der Natur (an dem vorzüglich Frauen beheimatet sind) im Vorübergehen deutend schafft. Hier geht es um Situationen und Szenen der Bedeutung, um Typen des Verstehbaren. Eine Theorie dazu gibt es nicht, kein Geschichts- noch eigentlich ein Menschenbild. Aber es gibt den Bezug auf die Bedingung eines solchen Kosmos der Geschichten: die These der Verweltlichung. Die Plastiken/Figurationen sind singuläre Erzählmotive mit Anspielungscharakter – „die Quintessenz ist für mich Kippfigur (...), eine post, postmoderne Haltung jenseits von Gut und Böse, rechts und links, alternativ, konservativ – das ist eine Schubladenverneinende Weltsicht mit Zukunft (...), und sie ist dazu angetan, „göttergleich über sich selbst und über sein Konstrukt öffentlich offensiv zu lachen“ (Aselmann).

In Peter Sloterdijk hat Aselmann offenbar eine Vaterfigur gefunden, zumindest was den zivilisatorischen Weg betrifft, wenn es um „Gottes Eifer“ und den „Kampf der drei Monotheismen“ geht. Doch quert er die Spuren. In den heroischen Rauminstallationen, in diesem schrägen Mythenmix mit Bildwitz treffen Selbstentsagung und stolze Selbsterklärung aufeinander. Schade, dass Martin Kippenberger das nicht mehr miterleben darf.
Ingrid Burgbacher-Krupka

 

Ole Aselmann, Skizzenbuch 2009 Kunsthaus Essen

Ideen / Ideas